properti
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
properti nennt sich selbst den "Next-Gen Real Estate Tech Agent der Schweiz" und stellt der eigenen Provision gleich auf der Startseite eine Vergleichstabelle gegenüber, mit dem klassischen Makler als direktem Gegenüber. Bei properti steht in dieser Tabelle "Provision: ab 2,5%", beim "klassischen Makler" daneben "Provision: ~3%". Der Unterschied klingt nach wenig, macht aber bei einer Million Franken Verkaufspreis mehrere tausend Franken aus, allein durch den halben Prozentpunkt. Wichtig dabei: "ab 2,5%" ist ein Einstiegssatz, keine feste Zahl für jede Immobilie, die Tabelle nennt keine Bedingungen, ab wann genau dieser Einstiegssatz gilt.
Die Vergleichstabelle im Detail
Neben der Provision selbst listet properti vier weitere Kategorien im direkten Vergleich zum klassischen Makler. Bei "Vorauszahlungen / Spesen" steht bei properti "Keine", beim klassischen Makler "Ja". Bei "Immobilienbewertung (bankenanerkannt)" heisst es bei properti "Inklusive", beim klassischen Makler nur "Teilweise". Bei "Vermarktung mit 3D-Tour, Virtual Staging" steht "All-inclusive" gegen "Optional". Und bei der "Kündigungsfrist" wirbt properti mit "Jederzeit*", während der klassische Makler mit "30 Tage" angegeben wird. Der Stern hinter "Jederzeit" verweist auf eine Fussnote, deren Text sich aus der vorliegenden Fassung der Seite nicht auslesen liess: Ein direkter Abruf der Seite lieferte bei einem zweiten Versuch den Fehler "HTTP 403 Forbidden", sodass sich die genaue Bedingung hinter dem Sternchen nicht bestätigen lässt. Wer das Mandat also wirklich fristlos kündigen will, sollte sich die Bedingung vor Vertragsabschluss schriftlich geben lassen, statt sich allein auf das Sternchen-Versprechen zu verlassen.
Was hinter dem Netzwerk steht
properti beschreibt die eigene Struktur so: "properti verbindet Technologie und Immobilienexpertise in einem modernen Maklererlebnis. Vom Hauptsitz in Zürich aus unterstützt ein schweizweites Netzwerk regionaler Immobilienexpert:innen Eigentümer:innen dabei, Immobilien transparent, effizient und einfach zu verkaufen." Das ist kein einzelnes Büro mit einer Handvoll Angestellten, sondern ein Modell aus einer Zentrale in Zürich und einem Netz an regionalen Fachleuten, die vor Ort tätig sind. Im Footer nennt die Seite unter "Unsere Standorte" elf Städte: Aarau, Basel, Bern, Burgdorf, Luzern, Lugano, Muttenz, Solothurn, St. Gallen, Zug und Zürich, was für ein Unternehmen mit "Next-Gen"-Anspruch eine bemerkenswert breite geografische Abdeckung quer durch die Deutschschweiz und ins Tessin ist.
Als Gesicht des Angebots nennt die Startseite ausdrücklich zwei Namen, Ines Zuparic und Carmine D'Agostino, unter der Bezeichnung "Immobilienexperten", mit eigener Telefonnummer für Rückfragen. Für den allgemeinen Kontakt führt die Seite an anderer Stelle im Footer eine zweite Nummer. Beide Nummern sind auf der Startseite verzeichnet, offensichtlich für unterschiedliche Zwecke gedacht, eine für ein direktes Gespräch mit den genannten Fachleuten, eine als allgemeine Firmennummer.
Der Verkaufsprozess in vier Schritten
Für den eigentlichen Verkauf beschreibt properti vier Phasen: "Erstberatung & Marktwertermittlung", "Professionelle Vermarktung", "Besichtigungen. Virtuell & vor Ort" und "Berichterstattung und Vertragsabschluss". Die eigene Vermarktungssprache verspricht dabei "strukturiert, transparent und mit professionellem Rundum-Service", garniert mit dem Slogan "Verkaufen Sie mit klarem Plan und starkem Partner." Die Formulierung "auf Augenhöhe" taucht dabei zweimal auf, einmal in der Ankündigung der Vergleichstabelle selbst ("Ihr Eigentum verdient eine Partnerschaft auf Augenhöhe"), was zusammen mit "ohne Vorauszahlungen" und "voller Transparenz" den Kern des Werbeversprechens bildet: kein Geld im Voraus, ein Vergleich statt einer blossen Behauptung, und eine Kündigungsmöglichkeit, die zumindest dem Namen nach flexibler ist als bei einem klassischen Mandat.
Was sich nicht bestätigen liess
Auf der Startseite blinken unter der Überschrift "Der Next-Gen Real Estate Tech Agent der Schweiz" vier Kennzahlen: "Transaktionen", "Portale", "Expert:innen" und "Partner", jede davon in der eingefangenen Fassung der Seite mit dem Platzhalterwert "0" versehen. Das sind erkennbar Zähler, die sich per Skript beim Laden der Seite auf die echte Zahl hochzählen, keine echte Behauptung, properti habe null Transaktionen oder null Partner. Ein Versuch, die tatsächlichen Zielwerte direkt aus dem Quellcode zu lesen, endete ebenfalls mit "HTTP 403 Forbidden". Diese vier Zahlen bleiben deshalb bewusst unbeziffert in diesem Text, statt eine geratene Grössenordnung zu nennen.
Zwei Bewertungskennzahlen erscheinen ebenfalls im Footer, "4.5 | 1625 Bewertungen" und "4.6 | 1144 Bewertungen", ohne dass die Plattform dahinter (Google, Trustpilot oder eine andere) auf der Seite selbst benannt wird. Ohne diese Zuordnung lassen sich die beiden Zahlen nicht seriös als "Google-Bewertung" oder Ähnliches beschriften, weshalb sie hier nur als das stehen, was sie sind: zwei unbeschriftete Bewertungsdurchschnitte mit vierstelliger Stichprobengrösse.
Mehr als ein reiner Verkaufskanal für Verkäufer
properti betreibt daneben eine eigene Suchfunktion für Kauf- und Mietobjekte, mit separaten Rubriken "Haus kaufen" und "Wohnung kaufen" für zehn Kantone von Zürich über Luzern, Bern, Genf, Basel-Landschaft, Waadt, Zug und Thurgau bis Neuchâtel und Tessin, gespiegelt durch dieselben zehn Kantone unter "Haus mieten" und "Wohnung mieten". Auf der Startseite selbst tauchen dazu bereits konkrete Beispielobjekte auf, etwa ein "10 Zimmer Haus in Montagnola" für CHF 2'200'000.-, ein "7.5 Zimmer Haus in Ebmatingen" für CHF 1'850'000.- oder eine "4.5 Zimmer Wohnung in Waldkirch" für CHF 1'025'000.-. Das zeigt, dass properti nicht nur Verkaufsmandate abwickelt, sondern auch als durchsuchbarer Marktplatz auftritt, auf dem Kaufinteressenten direkt nach einer Immobilie suchen können, ohne vorher ein Beratungsgespräch zu vereinbaren.
Im eigenen Blog-Bereich "Immobilienwissen" veröffentlicht properti zudem regelmässig Fachartikel zu Themen wie der Grundstückgewinnsteuer, der Abschaffung des Eigenmietwerts oder dem Einfluss des SNB-Leitzinses auf den Immobilienmarkt. Ein Artikeltitel kündigt dort ausserdem eine "neue strategische Partnerschaft mit PostFinance" an, ohne dass sich aus dem blossen Titel weitere Einzelheiten zu dieser Partnerschaft ablesen liessen. Für eine Verkäuferin, die sich vor dem ersten Gespräch selbst informieren will, ist das zumindest ein Hinweis darauf, dass properti neben dem eigentlichen Verkaufsgeschäft auch redaktionellen Inhalt zu Steuer- und Finanzierungsfragen bereitstellt.
Für wen sich das eignet
properti passt zu Verkäuferinnen und Verkäufern, die den direkten Vergleich zur klassischen Provision suchen und Wert auf eine bankenanerkannte Bewertung sowie eine All-inclusive-Vermarktung mit 3D-Tour und virtuellem Staging legen, ohne dafür im Voraus zu bezahlen. Der Standortfächer von Zürich bis Lugano zeigt, dass das Netzwerk über den Kanton Zürich hinausreicht, was für Eigentümerinnen mit mehreren Liegenschaften in unterschiedlichen Regionen praktisch sein kann. Wer dagegen die genaue Bedingung hinter der jederzeitigen Kündbarkeit oder die tatsächliche Grösse des Netzwerks in Zahlen wissen will, findet beides derzeit nicht öffentlich auf der Seite bestätigt und sollte im Beratungsgespräch gezielt danach fragen, bevor er unterschreibt. Die Kombination aus tieferer Einstiegsprovision, inklusiver Bewertung und einem Netzwerk quer durch die Deutschschweiz macht properti in jedem Fall zu einem der wenigen Anbieter in diesem Vergleich, die ihre eigene Provision offen neben der eines klassischen Maklers zeigen, statt sie erst nach einer Anfrage zu nennen.