Residenture AG
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Residenture bezeichnet sich auf der eigenen Startseite ausdrücklich als "digitaler Immobilienmakler in der Schweiz, kein reines Software-Unternehmen oder eine Plattform". Das ist eine bewusste Abgrenzung in einem Markt, in dem viele Anbieter genau das Gegenteil behaupten. Das Unternehmen ist als Residenture AG im Handelsregister des Kantons Schwyz eingetragen, mit Sitz an der Churerstrasse 158 in 8808 Pfäffikon SZ, gegründet im Jahr 2023. Zürich ist eine von mehreren Regionen, für die die Seite eine eigene Verkaufsseite führt, neben Bern, Basel, Luzern, Winterthur, Zug, Aargau und Schwyz.
Die Provision: 2.5 Prozent, mit einer Unstimmigkeit
Für den Verkauf einer Immobilie nennt Residenture durchgehend eine erfolgsabhängige Provision von 2.5 Prozent. Auf der Gebührenseite steht dazu ausdrücklich "Sie zahlen erst bei erfolgreichem Verkauf" und "Vorabkosten: CHF 0". Verglichen wird das mit traditionellen Maklern, für die dieselbe Seite eine Spanne von 3 bis 5 Prozent angibt. Dieselbe 2.5-Prozent-Zahl taucht auf der Vergleichsseite, in der FAQ-Kurzfassung und in der Zusammenfassung auf der eigenen Statistikseite erneut auf, jeweils mit demselben Zusatz "nur bei Erfolg".
Auf genau dieser Statistikseite steht allerdings, in einem hervorgehobenen Kennzahlenblock ganz oben, eine andere Zahl: "1.2% Provision, voll steuerlich absetzbar, statt 3 bis 5%". Das ist dieselbe Vergleichsbasis wie beim 2.5-Prozent-Satz, aber eine andere Prozentzahl, ohne dass die Seite erklärt, wofür der niedrigere Wert gilt oder wie er zustande kommt. Beide Zahlen stehen auf derselben Domain, teilweise auf derselben Seite. Diese Unstimmigkeit lässt sich von aussen nicht auflösen, und die Redaktion tut das hier bewusst nicht: Wer mit Residenture verkaufen will, sollte die tatsächlich geltende Provision vor der Beauftragung schriftlich bestätigen lassen, statt sich auf eine der beiden Zahlen zu verlassen.
Zur Provision kommt ein Steuerargument, das Residenture selbst so beschreibt: Beim Verkauf einer Immobilie in der Schweiz lässt sich pauschal und ohne Belege ein bestimmter Anteil des steuerbaren Gewinns abziehen, laut Gebührenseite "max. 2% des steuerbaren Gewinns". Weil die eigenen Leistungen als "Technology Fees" eingestuft seien, liessen sich diese laut Seite zusätzlich zu dieser Pauschale geltend machen, sofern man sie mit Beleg nachweist. Das ist eine Aussage über die eigene steuerliche Einordnung, keine unabhängig geprüfte Steuerauskunft, und wird hier entsprechend als Angabe des Unternehmens wiedergegeben, nicht als geprüfte Tatsache. Zusätzlich erwähnt die Statistikseite ein "Staffelmodell für unterschiedliche Preisklassen", ohne die einzelnen Stufen oder Prozentsätze zu nennen. Wer ein hochpreisiges Objekt verkaufen will, findet diese Zahlen also nicht auf der Website und muss sie direkt erfragen.
Was im Preis enthalten ist
Für die genannte Provision beschreibt die Startseite ein Leistungspaket aus "persönlicher Betreuung, Immobilienbewertung, professioneller Vermarktung, Organisation von Besichtigungen, Käuferqualifizierung, digitalem Bieterverfahren und Begleitung bis zum Notartermin". Damit deckt das Angebot den ganzen Verkaufsprozess ab, von der ersten Einschätzung bis zur Unterschrift beim Notar, nicht nur die Vermarktung.
Wie der Verkauf technisch abläuft
Für Eigentümerinnen und Eigentümer beschreibt die Seite den Ablauf in 4 Schritten. Zuerst wird die Immobilie über ein Formular mit den Objektdetails erfasst, laut Seite in 2 bis 3 Minuten. Danach folgt eine KI-Analyse zur automatischen Marktwertermittlung, die laut Seite sofort erfolgt. Im dritten Schritt geben qualifizierte Käufer ihre Angebote ab, transparent einsehbar. Im vierten Schritt identifiziert eine Auktion den Meistbietenden, wobei die Wahl des besten Angebots ausdrücklich bei der verkaufenden Partei liegt. Das digitale Bieterverfahren selbst beschreibt die Seite als "strukturiert, transparent, revisionssicher" und als "vollständig digitalisierten Prozess", bei dem Kaufinteressenten vollständig geprüft werden, inklusive KYC und Finanzierungsnachweis, mit Echtzeit-Updates zu allen Geboten über ein Owner Dashboard. Die kostenlose KI-Bewertung selbst dauert laut Vergleichsseite unter 60 Sekunden.
Wer dahintersteht
Geschäftsführer und Gründer ist laut Team-Seite Marco Brändli, dort geführt als "CEO & Gründer, VRP". VRP steht für Verwaltungsratspräsident, das heisst, er führt nicht nur das Tagesgeschäft, sondern leitet als Gründer auch den Verwaltungsrat der AG. Die Seite nennt für das gesamte Unternehmen eine Grösse von 4 Teammitgliedern, eine Gesamtzahl, keine gezählten Profilkacheln. Für ein 2023 gegründetes Unternehmen ist das ein kleines, aber namentlich benanntes Team, kein anonymes Callcenter hinter einer Marketingseite.
Über die Kernseiten hinaus betreibt Residenture einen eigenen Blog mit Ratgebertexten zu Themen wie Grundstückgewinnsteuer, Notarkosten und Handänderungssteuer oder der Frage, ob sich eine Renovation vor dem Verkauf lohnt. Das ist erkennbar auch auf Suchmaschinen ausgerichtet, zeigt aber gleichzeitig, dass sich das Unternehmen nicht nur auf die eigene Plattform, sondern auch auf die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen eines Immobilienverkaufs in der Schweiz einlässt, die genau jene Fragen betreffen, die ein Verkäufer vor der Beauftragung eines Maklers klären muss.
Was die Seite offen lässt
Neben der Provisions-Unstimmigkeit fehlen auf residenture.ch weitere Zahlen, die für einen Vergleich hilfreich wären: keine Bezifferung des erwähnten Staffelmodells, keine Angabe zu einer Mindestgebühr bei sehr günstigen Objekten und keine unabhängige Bestätigung der steuerlichen Abzugsfähigkeit über die eigene Darstellung hinaus. Die FAQ-Seite listet zwar über 40 Fragen, doch die zugehörigen Antworten liessen sich beim Abruf nicht auslesen, sodass sich daraus keine zusätzlichen Fakten für diesen Text gewinnen liessen. Ebenso wenig nennt die Website, wie viele Objekte seit der Gründung 2023 tatsächlich über die Plattform verkauft wurden oder wie lange ein durchschnittliches Bieterverfahren dauert. Diese Lücken sind für sich genommen kein Alarmsignal, ein junges Unternehmen mit 4 Teammitgliedern muss nicht jede Kennzahl veröffentlichen, aber sie gehören zu dem, was ein Verkäufer vor der Beauftragung zusätzlich erfragen sollte, gleich neben der eigentlichen Provisionshöhe.
Für wen sich das eignet
Wer in der Region Zürich verkaufen will und eine erfolgsabhängige statt einer festen Gebühr bevorzugt, findet bei Residenture ein digitales Rundum-Paket mit klar beschriebenem Ablauf und einem strukturierten Bieterverfahren statt einer klassischen Besichtigungstour. Am besten passt das zu Verkäuferinnen und Verkäufern, die sich mit einem webbasierten Prozess wohlfühlen und bereit sind, die tatsächliche Provisionshöhe vor Vertragsabschluss aktiv zu klären, statt sich allein auf die Zahl auf der Startseite zu verlassen.
Fazit
Residenture tritt mit einer klaren Ansage an: 2.5 Prozent, nur bei Erfolg, keine Vorabkosten, digital statt klassisch. Das ist ein nachvollziehbares Angebot für den Bezirk Zürich und die übrigen genannten Regionen. Dass dieselbe Website an anderer Stelle 1.2 Prozent zeigt, ohne den Unterschied zu erklären, gehört ebenso in diesen Text wie die 2.5 Prozent selbst: Bei einem Anbieter, dessen ganzes Geschäftsmodell auf einer einzigen Prozentzahl aufbaut, ist eine unerklärte zweite Zahl auf der eigenen Statistikseite kein Detail, sondern die erste Frage, die vor einer Beauftragung zu klären ist.